Katholische Aktion warnt vor Atomgefahr für Österreich

In allen drei Reaktorblöcken in Fukushima ist es gleich nach dem Erdbeben am 11. März 2011 zur Kernschmelze gekommen. Nach der monatelangen Beschwichtigungspolitik aus Angst vor einer Massenpanik, hat dies der japanische Kraftwerkbetreiber Tepco erst gestern (Dienstag) bestätigt.
Fast zeitgleich gab das slowakische Wirtschaftsministerium bekannt, dass direkt vor unserer Haustüre das Atomkraftwerk Bohunice ausgebaut werden soll. Das würde eine reale Atomgefahr auch für Österreich bedeuten, zusätzlich zu der bestehenden aufgrund der desolaten grenznahen Atomkraftwerke.

Die Katholische Aktion Wien (KA) fordert in einem Positionspapier ein „weltweites Abschalten aller Atomkraftwerke“. Sie lädt am beim „Neustädter Zukunftsdialog“ zur Diskussion über die Energiepolitik mit dem „Energie-Forum Wr. Neustadt“ und im Rahmen der „Langen Nacht der Kirchen“ zur Podiumsdiskussion „Die Welt 78 Tage nach Fukushima“ in Wien.

Die Atomreaktoren-Katastrophe in Fukushima habe nach dem Super-GAU in Tschernobyl zum zweiten Mal tragisch vor Augen geführt, dass Kernkraft keine ethisch tragbare Lösung sein könne, um den weltweiten Energiebedarf zu decken. Weitere Unfälle seien nicht ausgeschlossen, die Endlagerung radioaktiven Materials noch ungeklärt, der industrialisierte Uranabbau nicht nachhaltig, heißt es im KA-Papier. Weiter wäre der Bau und die Instandhaltung der Atomkraftwerke kostenintensiv und mögliche Schadenskosten müssen, zusätzlich zu den Subventionen der Atomindustrie aus Steuermittel, die Bürgerinnen und Bürger tragen. „Wir haben kein Recht Risiken einzugehen, die im Schadensfall für ein oder gar mehrere Länder und deren Bevölkerung und Lebenswelt irreparable Folgen hat“, so Katharina Kampl, zugleich Generalsekretärin der Katholischen Aktion und Umweltbeauftragte der Erzdiözese Wien.

Die Katholische Aktion empfiehlt den Wechsel des Stromanbieters zu atomkraftfreien Stromlieferanten sowie energiesparende Maßnahmen auf individueller Ebene zu setzen. „Wenn wir bewusst Energie sparen und effizienter verwenden, dann heißt das nicht, dass es dadurch den Menschen schlechter gehen wird oder wir streng asketisch leben müssen“, betont Katharina Kampl. Es gehe vielmehr um eine Kehrtwende nach innen, um das Finden des inneren Schatzes, anstatt im Materiellen immer mehr haben zu wollen, so Kampl.

Die Katholische Aktion fordere auch politische Handlungsträger/innen auf, Rahmenbedingungen für ein energieeffizientes und energiesparendes Wirtschaften und Leben zu schaffen, erneuerbare Energieträger zu fördern und eine verpflichtende Kennzeichnung des verkauften Stromes durchzusetzen. KA-Präsident Schleicher fordert zudem alle slowakischen Christinnen und Christen auf, sich der Pro-AKW-Politik ihrer Regierung entgegen zu stellen und im Land ein nachhaltiges Gespräch über den Umgang mit der Schöpfung zu beginnen.

Die Katholische Aktion unterstützt die Initiative „Abschalten! Jetzt!“ auf www.atomausstieg.at. Innerhalb der KA wurde eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die sich mit dem Thema „Energiewende“ auseinandersetzt.

Zum Thema veranstaltet die Katholische Aktion am Samstag, 28. Mai im Bildungszentrum St. Bernhard den „Neustädter Zukunftsdialog“, mit Pionier/innen, die einen solidarischen und nachhaltigen Lebensstil vorleben: Weltladen, alternative Wohnprojekte, Energieforum Wr. Neustadt, Tiefenökologie, Werte-Erziehung, Zukunft der Arbeit…
www.welthaus.at

Bei der Langen Nacht der Kirchen am Freitag, 27. Mai gibt es ab 22:00 in der Deutschordenskirche eine hochkarätige Podiumsdiskussion zum Thema „Die Welt 78 Tage nach Fukushima“ mit Weihbischof Franz Scharl, dem Risikoforscher Roman Lahodynsky, dem Philosophen Peter Kampits und der SPÖ-Umweltsprecherin Petra Bayr. Es moderiert die Pastoralamtsleiterin und Geistliche Assistentin der Kath. Frauenbewegung Veronika Prüller-Jagenteufel.

atomausstieg

„Atomausstieg jetzt!“ fordert die Vollversammlung der Katholischen Aktion der Erzdiözese Wien und lädt zu Diskussionsveranstaltungen nach Wien und Wr. Neustadt.